So erlebten wir den Tsunami 2004 in Asien

So erlebte Clara den Tsunami

Nun gut, wie soll ich beginnen. Heute habe ich es mir zur Aufgabe gemacht meine Tsunami-Geschichte fertig zu schreiben. Es fällt mir nicht leicht über den Tsunami zu reden. Es sind sehr schmerzhafte Erinnerungen die ich damit verbinde. Jeder der dabei war wird wohl irgendeine schmerzhafte Erinnerung mit dem Tsunami verbinden. Aber das beste wird wohl sein das ich ganz am Anfang beginne.

Ich, meine 4 jährige Tochter Annie und mein Freund Paul hatten lange auf unseren Traumurlaub in Sri Lanka gespart. Ich war früher schon mit meinen Eltern, beide Ärzte und Urlaubslustige Menschen, in Sri Lanka gewesen. Jetzt, als Studentin, konnte ich mir den Urlaub eigentlich nicht leisten. Schon allein wegen meiner kleinen Annie. Doch ich und Paul hatten es fertig gebracht und solange gespart bis wir uns den Urlaub leisten konnten.

Also, Abflug am 20.12.04 in unser Urlaubsparadies Sri Lanka. Nach einem sehr langen und anstrengenden Flug waren wir endlich in Colombo angekommen! Annie war total geschafft von der langen reise und schlief bereits am Flughafen auf meinem Arm. Ich und Paul, natürlich beide auch total geschafft, waren nach der langen Wartezeit auf unser Gepäck auch total geschafft und waren froh endlich in unserem Bus zu sitzen der uns abholte...

Nach weiteren 10 Stunden fahrt waren wir endlich an der Südspitze Sri Lankas angekommen. Wir checkten in unsere kleine Pension ein und verbrachten den restlichen Tag am Strand.

Die nächste Woche wollten wir eigentlich nur am Strand verbringen und die nähere Umgebung auskundschaften.

Jeden Tag verbrachten wir mir unserer kleinen am Strand. Diejenigen von euch die schon mal in einem asiatischen Land waren wissen das kleine Kinder, vor allem mit blonden locken und blauen Augen die Asiaten förmlich anziehen... und so war es auch mit unserer kleinen.

Am morgen des 26.12.2004 machten wir uns auch schon wieder sehr früh auf den Weg zum Strand. Ich mit klein Annie auf dem Arm und mein geliebter Paul schwer bepackt mit Handtüchern, trinken und essen.

Nach ein paar Minuten in der Sonne ging Paul zusammen mit unserer kleinen Annie etwas ins Meer. Annie liebt es in den Wellen zu toben. Sie kommt ganz nach ihrer Mutter ;-)

Ich legte mich also schön zurück in die Sonne und war ganz vertieft in mein Buch. Plötzlich schrie Paul ,,Schatz... sieh dir das an! Mach ein Foto! Das glaubt uns zuhause niemand“. Ich sprang entsetzt auf den das ganze Meer hatte sich zurück gezogen. 100erte von Leuten standen am Strand und starten entsetzt auf das Meer.

Niemand verstand was da vor sich ging. Plötzlich sahen wir am Horizont eine riesige Wasserwand auf uns zurauschen. Ich schrie Paul zu er solle Annie nehmen und weg rennen... doch es war wohl schon zu spät. Innerhalb weniger Sekunden sah ich wie Paul samt Annie auf dem Arm von den Wellen erfasst und untergetaucht wurde. Sekunden später wurde ich auch von den Wellen mitgerissen. Ich versuchte mich noch an Palmen festzuhalten doch ich hatte keine Chance. Immer wieder drückten mich die Trümmer unter Wasser. Ich dachte es seien meine letzten Sekunden.

Ich weiß nicht wie, doch irgendwie überlebte ich. Ich konnte mich an einem vorbeitreibenden Holzstück festhalten und später an einer Palme. Auf der Palme saßen 2 Ceylonesen die mich zu sich heraufzogen. Meine Angst um Paul und Annie machte mich fast ohnmächtig... die Zeit in der das Wasser immer wieder ging und wieder kam war die schlimmste Zeit meines Lebens. Ich schrie nach Annie und Paul doch nirgendwo war eine antwort.

Als das Meer sich beruhigt hatte und wir von unserer Palme herunter konnten irrte ich wie eine Verrückte durch die Trümmer auf der Suche nach Paul und Annie. Ich wollte einfach nur schnellstmöglich zurück zum Hotel, vielleicht waren sie ja da?

Doch auch im Hotel keine Spur von meinen beiden über alles geliebten Menschen.

Die nächsten 2 tage waren für mich die Hölle. Ich wusste nicht wo Paul und Annie waren und fand sie nirgendwo. Eine Angestellte der Pension in der wir untergekommen waren nahm mich bei sich auf den die ganze Pension war völlig zerstört. Zusammen suchten wir nach Paul und Annie. Am Mittag des 2. Tages kam Ama, also die Angestellte der Pension, zu mir und bat mich mit ihr in ein Krankenhaus zu fahren. Sie hatte dort auf einem Bild ein kleines Mädchen entdeckt das wie meine Annie aussah... doch sie war sich nicht sicher!

Der Weg zu dem Krankenhaus war die Hölle höchstpersönlich. Konnte ich meine Annie und meinen Paul bald wieder in die Arme schließen?

Im Krankenhaus angekommen führte mich eine Krankenschwester in ein Zimmer... und tatsächlich, auf einem kleinen Bett lag zusammengekauert und heulend meine kleine Annie. Ich brach heulend zusammen und konnte mich gar nicht mehr beruhigen. Doch wo war Paul?

Im selben Krankenhaus fanden wir ihn dan einige stunden später... er war tot....

 

Paul, wir werden dich nie vergessen! Du warst der beste Mann, Vater den man sich hätte Wünschen können! Wir lieben dich, deine Verlobte Clara und deine Tochter Annie!

04:58 - 4.04.2006 - comments {3}

So erlebte Heiko den Tsunami

Der 26. Dezember 2004, einer der schlimmsten Tage meines Lebens. Um genauer zu sein, es war der schlimmste Tag meines Lebens! Ich werde ihn nie vergessen. Nicht nur weil ich Todesangst hatte, nein... ich habe an diesem Tag einen meiner besten Freunde verloren. Ich frage mich manchmal wieso eigentlich er sterben musste und wieso ich soviel glück hatte?

Fangen wir wohl am besten mal ganz vorn an.

Ich, Heiko, 23 Jahre alt, wohnhaft in München hatte beschlossen zusammen mit 2 meiner besten Freunde Julia und Manu Urlaub zu machen. Wohin die reise gehen sollte war uns Asia-Fans von Anfang an klar. Also buchten wir unsere Flüge von München nach Phuket in Thailand. Ein langersehnter Wunsch wurde am 22.12.2004 für uns wahr als wir endlich gemeinsam in ein Flugzeug stiegen. Eigentlich hätten 2 weitere Freunde, Doro und Marco, auch mitfliegen sollen. Doch Doro war zu diesem Zeitpunkt bereits mit ihrer Familie in Indien und Marco konnte aus Finanziellen Gründen nicht mit.

Nun ja, angekommen in Phuket hatten wir natürlich das schönste Wetter. Wie man es eben von Thailand erwartet. Traumhaft schöne lange Strände, super Wetter... perfekt!

Die weiteren Tage verbrachten wir morgens und Mittags meist am Strand oder bei kleineren Ausflügen und abends ließen wir es uns in schönen Strandlokalen so richtig gut gehen.

Früh am Morgen des 26. standen wir 3 auf da wir beschlossen hatten einen langen Strandspatziergang zu machen.

Also marschierten wir los...

Nach einer weile beschlossen wir erst mal in einem der Strandlokale zu frühstücken und gönnten uns frisch gepresste Säfte und leckere thailändische Spezialitäten.

Plötzlich rief Manu total erschrocken ,,mein Gott was ist den mit dem Meer los?“ Unsere blicke richteten sich Richtung Meer... bzw. wollten wir das Meer sehen. Doch das ganze Wasser hatte sich zurück gezogen und war einfach wie vom Erdboden verschluckt. Der Restaurantbesitzer wunderte sich auch und hatte genau wie wir keine Erklärung für das ,,verschwinden“ des Meeres.

Plötzlich sahen wir wie sich eine riesige Wasserwand am Horizont auftürmte. Julia schrie los wir müssten wir verschwinden und auch die anderen Restaurantbesucher schrien und sahen sich in Panik nach etwas höher gelegenem um. Doch wir fanden nichts...

Trotzdem rannten wir in Panik aus dem Restaurant und einfach weg vom Strand. Wir hatten keine Chance zu fliehen, das Wasser erfasste mich und meine beiden Freunde und wir wurden getrennt.

Ich wurde unter Wasser gedrückt und wurde bewusstlos. Ich erwachte erst im Krankenhaus wieder.

An meinem Bett stand bereits Julia. Sie hatte mich gefunden. Doch von Manu war weiterhin keine Spur. Am nächsten Tag konnte ich das Krankenhaus bereits verlassen.

Wir machten uns auf die verzweifelte Suche nach Manu. Vorbei an zerstörten Hotels, Trümmern, rechts und links von den Straßen waren Leichen in Plastiksäcke gesteckt... wir wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht das er wohl auch einige Zeit so verbracht hatte.

Als wir unser Hotel erreichten erschraken wir. Es war fast vollkommen zerstört. Die Hotelmanagerin empfing uns und teilte uns mit das sie Manu noch nicht gesehen hatte. Sie gab uns ein paar Adressen bei denen wir uns melden sollten und nach Manu fragen sollten.

Wir klapperten alle Krankenhäuser ab und schauten uns alle Bilder von Leichen an die ausgehängt worden waren.

Nach cirka 5 Krankenhäusern und etlichen Bildern von Leichen machte ich eine Zigarettenpause. Julia suchte währenddessen weiterhin nach einem Hinweiß von Manu.

Plötzlich schrie sie aus und brach zusammen... sie hatte Manu gefunden, bzw. ein Bild seiner Leiche. Ich konnte es nicht fassen... Manu war tot....

 

R.I.P Manu

Du warst ein lebensfroher, immer fröhlicher, aufgeweckter, lustiger, verrückter, liebevoller und immer sehr verantwortungsvoller Mensch! Wir werden dich niemals vergessen. In endloser Trauer Heiko und Julia!

04:44 - 3.04.2006 - comments {0}

So erlebte Doro den Tsunami

Es war der 26. Dezember 2004. Es war eigentlich ein Tag wie jeder. Ich und meine Familie waren einige Tage zuvor in Süd-Indien angekommen und freuten uns auf einen entspannten, stressfreien und schönen Urlaub. Beim Frühstück beschlossen meine Eltern, mein Bruder und meine Tante einen kleineren Ausflug zu einem Tempel zu machen. Ich und meine Cousine, so uninteressierte Menschen wie wir sind, weigerten uns mitzugehen und freuten uns so auf einen schönen entspannten Tag am Strand.

Nach dem Frühstück zogen wir unsere Badesachen an, schnappten unsere Handtücher und legten uns in die knall heiße Sonne am Strand. Nach cirka einer Stunde in der Sonne beschloss meine Cousine sich bei einem Strandverkäufer eine Ananass zu kaufen. Also saßen wir mit unserer Ananass auf unseren Handtüchern und beobachteten die Menschen am Strand. An diesem Tag fehlten eindeutig die wilden Hunde am Strand, was uns zwar merkwürdig vorkam aber uns nicht weiter beschäftigte.

Nach einer weile in der heißen Sonne beschlossen wir ins Meer zu gehen um uns abzukühlen. Wir waren nur kurze Zeit im Wasser da zog sich das Meer plötzlich mit einer ungeheuren Strömung zurück. Das ganze Wasser war von einer Sekunde auf die nächste einfach verschwunden. Die Leute starrten sich nur an und fragten sich was da passierte. Wir verstanden in diesem Moment überhaupt nichts. Irgendjemand rief plötzlich es sähe ganz nach einem Tsunami aus. Die meisten Touristen lachten ihn aus und riefen zurück das wäre bestimmt nur durch den Vollmond.

 Nun ja, jedenfalls rief plötzlich jemand das Wasser käme zurück. Alle blicke wanderten Richtung Horizont... und was wir da sahen werde ich niemals vergessen. Eine riesige Wasserwand hatte sich aufgetürmt und raste mit einer unglaublichen Geschwindigkeit auf uns zu! In dem Moment kapierten wir wohl immer noch nicht wirklich was dort geschah. Alle blieben regungslos stehen bis schließlich irgendjemand schrie wir sollten rennen. Meine Cousine und ich schauten uns nur noch an und rannten los. Es war gar nicht einfach durch den Sand zu rennen und wir hatten keine Chance der Wasserwand zu entkommen. Alles was jetzt kommt erlebte ich wie in einem Film. Es war als würde ich mir nur einen Film anschauen und das würde nicht passieren und nicht ich wäre es die plötzlich vom Wasser mitgerissen wurde.

Als ich von Wasser mitgerissen wurde konnte ich mich nur kurz über Wasser halten. Das Wasser riss mich mit einer unglaublichen Geschwindigkeit mit und ich wurde durch die mitschwimmenden Trümmer schnell unter Wasser gedrückt. Ich weiß nicht wie lange ich unter Wasser war... immer wieder kam ich an die Oberfläche und konnte für kurze Zeit nach Luft schnappen doch immer wieder rissen mich die Trümmer unter Wasser. Ich konnte einfach nicht realisieren was da mit mir passierte. Mir ging einfach immer nur mein ganzes Leben durch den Kopf... wie ich zu Hause mit meinen Freunden Partys gefeiert hatte, wie ich so oft mit meinen Hunden im Sommer in einer Wiese lag und einfach an nichts gedacht hatte.

Ich hatte wohl einen riesigen Schutzengel... den irgendwann knallte ich gegen eine Palme und konnte mich festhalten. Überall schrien Menschen... verzweifelte Hilferufe tönten von allen Seiten zu mir. Neben mir tauchte ein kleines Mädchen auf... ich wollte sie noch festhalten doch ehe ich meine Hand ausstrecken konnte ging sie wieder unter.

Ich hatte unglaubliche Schmerzen in meinen Händen... konnte mich kaum noch festhalten und war kurz davor einfach loszulassen und aufzugeben. Doch plötzlich verschwand das Wasser wieder, so plötzlich wie es gekommen war. Überall lagen verletzte Menschen... tote Menschen. Leute schrien vor Schmerzen, vor Angst, schrien nach ihren Angehörigen. Blutende Menschen rannten mir entgegen... Kinder heulten...

Ich konnte einfach nicht realisieren was da passierte. Ein Deutscher aus unserem Hotel, mit dem ich am Abend zuvor geredet hatte, kam mir entgegen gerannt und zerrte mich mit sich zu einem Haus. Gemeinsam stiegen wir zu vielen anderen Leuten auf das Hausdach. Irgendjemand schrie das Wasser käme zurück. Und schneller als wir schauen konnten war wieder alles unter Wasser und es schien mir als wiederholte sich das gerade erlebte.

Ich weiß nicht wie lang wir auf diesem Dach saßen und einfach nur vor uns hinstarrten. Jeder versuchte nachzudenken...

Eine Engländerin die ebenfalls auf dem Dach saß erklärte mir sie sei Ärztin und versuchte meine Wunden an Armen, Beinen und an meinem Kopf mit einer Flasche Wasser und Tempos etwas zu säubern...

Nach vielen Stunden trauten wir uns schließlich das Dach zu verlassen. Das Wasser war zuvor 3 mal wiedergekommen aber wir waren uns sicher es wäre jetzt vorbei den seit Stunden war keine weitere Flut gekommen.

Was wir auf den Straßen auffanden war chaotisch... überall verletzte schreiende Menschen. Auch Leichen lagen kreuz und quer in den Trümmern. Plötzlich hörte ich jemanden meinen Namen rufen. Ich drehte mich um und sah wie meine Cousine heulend auf mich zugerannt kam. Sie erschrak bei meinem Anblick da ich voller blutender Wunden war. Sie selbst hatte kaum etwas abgekriegt. Wir fielen uns einfach nur noch heulend in die Arme.

Aufgrund meiner vielen Wunden wurde ich ins Krankenhaus gebracht. Dort erfuhr ich auch von meiner Cousine das sie nur kurze Zeit im Wasser war und sich dan auf eine Palme retten konnte und dort zusammen mit 3 anderen Menschen die Zeit verbracht hätte. Einige Zeit später schlief ich vor lauter Erschöpfung ein... als ich wieder aufwachte waren meine ganzen Verwandten bei mir. Sie alle waren unverletzt da sie auf dem Tempel in Sicherheit gewesen waren...

Ein paar Tage später konnten wir auch schon mit einem Flugzeug unseren Heimweg antreten!

Wir hatten wohl einen riesigen Schutzengel...

Trotzdem möchte ich an dieser Stelle an einige Personen Erinnern die ihr Leben in den Fluten verloren hatten.

 

R.I.P Manu ... du hattest dich so auf deinen Urlaub in Thailand gefreut und jetzt bist du einfach nicht mehr da. Ich werde dich niemals vergessen und dich weiterhin als meinen großen Bruder sehen der mich immer vor allem beschützt hat... ich liebe dich ....

 

R.I.P Samuel, Jessy, Cloe, Alex... ich werde euch niemals vergessen!

 

 

03:39 - 3.04.2006 - comments {3}

Description
Auf dieser Seite haben ich und einige meiner Freunde/Bekannten unsere Tsunamierlebnisse veröffentlicht. Auf diesem Weg möchten wir uns ein letztes mal von unseren verstorbenen Familienangehörigen und überalles geliebten Freunden verabschieden! Durch den Tsunami haben so viele Menschen ihr Leben verloren, Eltern verloren ihre Kinder, Kinder verloren ihre Eltern, Freunde verloren Freunde, Partner verloren Partner... diese Katastrophe hat uns gezeigt wie kostbar das Leben jedes einzelnen ist.... lasst uns an die opfer denken.... R.I.P Manu R.I.P Jessy R.I.P Samuel R.I.P Alex R.I.P Cloe R.I.P Paul unvergessen auch die 300.000 weitere Tsunamiopfer...

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